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Wie man glücklich in einem Nachtbus durch Ostafrika reist

April 13, 2016

Wenn du schnell von einem Ort zum anderen kommen willst oder einfach nur auf der Suche nach dem ultimativen authentischen Backpacker-Erlebnis bist, wirst du früher oder später einen Nachtbus nehmen. Hier ist ein kleiner Guide über nächtliche Busfahrten basierend auf meinen Erlebnissen in Kenia. 

Was man bedenken sollte:

Kosten: Nachtbusse sind kostengünstiger als Tagbusse und deshalb des Rucksackreisenden erste Wahl. Bedenke: Je billiger der Nachtbus, desto a) schneller (falls er nicht kaputt geht), b( weniger sicher, und c) weniger komfortabel ist er wahrscheinlich.  Bedenke auch, dass mehr zahlen nicht unbedingt mehr bekommen heißt, insbesondere wenn man sein Ticket an keinem offiziellen Busbüro kauft. Denn selbst wenn du deine schmuddelige Reisehose trägst, siehst du immer noch aus wie ein Fremder (ein reicher Fremder wahrscheinlich). Freundliches aber direktes Verhandeln (am Besten in der lokalen Sprache) helfen, nicht unnötig viel zu zahlen. 

Zeit: Reisen in der Nacht geht in der Regel schneller als am Tag. Das könnte sowohl an den weniger befahrenen Straßen als auch am Fahrstil der Busfahrer liegen. Denk auch hier daran dass miserable Busse eine höhere Tendenz haben, mitten in der Nacht irgendwo liegen zu bleiben und manchmal Haltestellen etwas außerhalb der Stadtzentren anfahren (was alles in allem dann gar nicht mehr so viel Zeit spart). 

Sicherheit: Wahrscheinlich kennt jeder mindestens eine Horrogeschichte über Nachtbusse (von schlaflosen Nächten über Unfälle bis hin zu bewaffneten Überfällen). Auf das Bauchgefühl zu hören und mit Leuten zu sprechen, die wirklich Erfahrung haben (Einheimische am besten), ist wahrscheinlich wie immer der gesündeste Weg um zu einer persönlichen Entscheidung zu gelangen. Nicht alle Nachtbusse sind gleich. Vielleicht ist es hilfreich, vorab zumindest kurz den Zustand der Fahrzeuge zu checken oder sich über die Fahrer zu informieren (ist es ein Fahrer, der die ganze Nacht durchfährt und sich mit Miraa-Blättern wachhält, oder sind es zwei Fahrer, die sich abwechseln?) Die Sicherheit von Nachtbusreisen in Ostafrika hängt von vielen Faktoren ab, die sich auch mit der aktuellen Sicherheitslage immer wieder ändern können und deshalb schadet es nicht, sich selbst vor Ort zu informieren. Ein kleines Stoßgebet, gleich welcher Religion du dich zugehörig fühlst, kann letztendlich auch nie schaden.

Komfort: Verabschiede dich von deiner Komfortzone. In öffentlichen Bussen in Ostafrika gibt es so etwas wie Intimsphäre nicht, und wahrscheinlich wirst du die ganze Nacht auf einem engen Sitz hocken. Auch wird es eventuell laut sein oder riechen (oder beides). Es kann sehr holperig werden. Erinnere dich, dass du den Nachtbus nehmen wolltest, weil es, nunja, billig und schnell ist und du ein knallharter Backpacker bist. 

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Mitbringen und Anziehen:

Ohrstöpsel! (Ich kann es nicht oft genug sagen.) Wenn du nicht sowieso schon überall Ohropax mit hinnnimmst auf deinen Reisen, nimm sie wenigsten mit in den Nachtbus. Tu dir den Gefallen und stelle damit Geräusche ab, die du nicht die ganze Nacht hören willst, wie zum Beispiel das schreiende Baby, die aufgepimpte Hupe oder Gangschaltung des Busses (die bei jedem Schalten und bei jedem Passieren eines besonders engen Straßenabschnittes mehrere Sekunden lang eine laute Melodie spielt), den krähenden Hahn zwei Reihen vor dir, den Schnarcher hinter dir oder den Film, der in voller Lautstärke irgendwo ganz vorne im Bus auf einem winzigen unscharfen Bildschirm gezeigt wird. 

Eine Decke (ein Tuch, einen Schal): Benutze sie um dich darunter zu kuscheln (das ist einfach gemütlicher und wird dir das Gefühl eines Bettes vorgaukeln), oder decke damit den Sitz ab, falls er besonders schmockig ist.

Kleide dich im Zwiebelprinzip: Wie du wahrscheinlich bereits  erleben durftest, schockgefrieren alle modernen Busse weltweit ihre Passagiere. Aber selbst wenn du dir ein Ticket für einen der wenigen modernen Busse in Ostafrika besorgt hast, heißt das noch lange nicht, dass die Klimaanlage auch funktioniert. Ohnehin ist es viel wahrscheinlicher, dass du in einem älteren Modell reist, und da solltest du auf alles gefasst sein: Eine kühle nächtliche Brise und schwülheißes Klima.

Ein Pullover: Es kann kühl und holprig werden. Trag den Pullover gegen die Kälte oder benutze ihn als Stoßdämpfer oder Kissen gegen Fenster und Sitz. 

Wasser (aber nicht zu viel). Finde die perfekte Balance zwischen gut hydriert zu sein und nicht aufs Klo zu müssen (weil es ja keins gibt). Der Bus wird allerdings irgendwann nach vier, fünf Stunden anhalten, wo man dann eine öffentliche Toilette aufsuchen kann (falls du auf öffentliche Toiletten am Rande einer kenianischen Landstraße stehst ist das kein Problem. Siehe unten: Was tun, wenn der Bus hält?)

Snacks. Knabbere ein paar Nüsse, Cracker, Bananen oder Kekse. Auch Chapati, Mandazi und vegetarische Samosas haben sich als Busproviant bestens bewährt. Nachbusse sind jedenfalls nicht der geeignete Ort um exotisches Essen zum ersten Mal zu probieren. Vielleicht lernst du auch noch die Vorzüge der Straßenverkäufer kennen und kannst deinen Snackvorrat aufstocken (siehe unten: Was tun, wenn der Bus hält?). 

Entertainment. Da du wahrscheinlich eh nicht die ganze Zeit schlafen kannst (nimm auf keinen Fall Schlafmittel! Ein bisschen Schnaps hat sich bewährt, aber Schlafmittel sind wirklich etwas zu unberechenbar für diese Art der Unternehmungen), wirst du dich über etwas Entertainment freuen. Es ist ja leider zu dunkel für klassische Spiele wie Galgenmännchen oder Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst, oder andere coole bewährte Busspiele („Ich wette dass ich eine Antilope entdecke bevor du ein Zebra siehst!“), also kommt hier immer mein Lieblingsluxusgegenstand, der iPod/Mp3-Player zum Einsatz. Ich habe ein ganz kleines Modell, das hoffentlich nicht „reicher Tourist“ schreit. Wer im Bus lesen kann, kann natürlich auch seinen ebook-Reader mitbringen (ich persönlich brauche wenn schon ein richtiges Buch, aber dafür ist es ja auch zu dunkel).

Ein Buff. Ein Buff („Multifunktions-Schlauch-Tuch“) ist perfekt für die Busfahrt und vielseitig einsetzbar: Zieh es dir über die Augen, damit du nicht sehen musst, wie nahe der entgegenkommende Verkehr an deinem Bus vorbeirast. Zieh es dir über die Ohren (über die Kopfhörer oder Ohrstöpsel), um noch mehr Lärm abzublocken und die Kopfhörer am Ohr zu halten. Oder trage es um dem Hals wenn das Fenster nicht richtig schließt, sodass dein Nackt nicht steif wird. 

Toilettenpapier/Taschentücher/feuchte Tücher. So etwas gibt es nicht an der öffentlichen Toilette und mit den feuchten Tüchern kann man sich nach einer ganzen Nacht im Bus wenigstens minimalistisch erfrischen.

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Und dann:

Versuche zu schlafen. Finde eine Schlafposition die angenehm für dich ist. Hier kann ich eigentlich gar niche so viel helfen, da ich noch keine gute gefunden habe. Ich praktiziere regelmäßiges, innerlich stöhnendes Wechseln und Ausprobieren verschiedener Positionen: Aufrecht zu sitzen (wie man es auf einem Bussitz sollte) tut irgendwann weh. Die Beine anzuziehen und sich sitzend zusammenzurollen auch, weil die Kniescheiben bei jedem Buckel gegen den Vordersitz krachen. Wenn du dich seitlich zusammenrollst und dein Sitznachbar (vorzugsweise ein gut befreundeter Reisebegleiter)  den anderen Löffel macht, kann das das Ruckeln und Holpern des Busses ein wenig abfangen.  Du möchtest diese Position aber wahrscheinlich schnell überdenken, wenn es etwas wärmer ist. Ihr könntet alternativ versuchen, euch anders auf den beiden Sitzen zu stapeln, indem du dich zB auf seinen oder ihren Schoß legst und er oder sie sich auf deine Schultern. Das ist schwer zu beschreiben. Es ist auch schwer umzusetzen und auch keine Dauerlösung. Ihr habt aber ja jetzt mehrere Stunden Zeit, selbst kreativ zu werden und eine Position zu finden. Wenn du alleine reist, hast du vielleicht Glück und der Platz neben dir ist frei, dann kannst du dich mit dem Rücken gegen das Fenster lehnen (hier kommt der Pullover als Kissen zum Einsatz) und die Beine ausstrecken. 

Trage deine Wertgegenstände am Körper. Ich trage sie in einer kleinen Tasche, die ich im meine Hüfte schnallen und ggf. unter dem Shirt verstecken kann. Nur so zur Vorsicht. (Mädels, Bargeld versteckt sich gut im BH.) Mir wurde noch nie etwas gestohlen (da könnte ich Glück gehabt haben, oder es könnte an meiner augeklügelten Technik liegen oder daran, dass Nachtbusreisen in Ostafrika weniger gefährlich ist als gedacht). Ich habe im Gegenteil sogar erlebt, wie fremde Mitreisende nach mir und meinen Sachen geschaut haben! Dein größerer Rucksack wird wahrscheinlich sowieso im Kofferraum oder auf dem Dach Platz finden. Dort wird er sehr staubig, siffig oder nass (einmal lag mein Rucksack im  Kofferraum neben, ich weiß nicht- Fisch? Er war jedenfalls vollgesogen mit fischigem Wasser). Aber jetzt ist nicht der Moment sich darüber Sorgen zu machen (ändern kann man es ja eh nicht).

Was tun wenn der Bus anhält? Mitten in der Nacht und irgendwo in Nirgendwo? Hoffentlich ist es an einer Raststätte. Dort hast du dann 10- 30 Minuten Zeit, etwas zu essen zu kaufen (nochmal: jetzt nicht unbedingt neue Dinge probieren) oder das Bad aufzusuchen (da du dich eh schon von weit außerhalb deiner Komfortzone befindest, kannst du jetzt auch schnell pinkeln gehen.) Wenn du den Bus verlässt, nimm deine Wertgegenstände mit und lasse deinen Pulli oder deine Decke auf deinem Sitz liegen um ihn für den Rest der Fahrt zu beanspruchen. Versichere dich beim Aussteigen, in welchen Bus du wieder zurückkehren musst. Suche Blickkontakt mit einem freundlichen Mitreisenden und mache mit einem verzweifelten, freundlichen Blick klar: „Bitte fahrt nicht ohne mich!“. Manchmal halten Busse auch in Ortszentren, um Fahrgäste aufzunehmen oder rauszulassen.  Dann kommen oft Straßenverkäufer an oder in den Bus, um Snacks, illegale Filmkopien und ähnliches zu verkaufen. Vielleicht wecken sie dich dafür sogar (vielleicht, weil du aussiehst wie ein reicher Tourist? Ich erinnere mich dunkel daran, von kichernden Teenagermädchen umzingelt gewesen zu sein, die meinem hübschen, schlaftrunkenen Reisekumpel flirtend Zuckerrohr andrehen wollten). Wenn der Bus nicht in einer Stadt oder an einer Raststätte hält, könnte es sein, dass er liegen geblieben ist.  Vielleicht ist es nichts Schlimmes (das entscheiden aber die Fahrer), und es wird versucht, das Problem zu beheben und den Bus zu reparieren. Stelle dich innerlich auf weitere Stopps heute Nacht ein. Wenn das Busunternehmen fair ist, schicken sie einen neuen Bus (das kann aber Stunden dauern). Alternativ rufen sie Kleinbusse aus der nächsten Stadt (die du im schlimmsten Fall selbst bezahlen musst). Während du auf den neuen Bus wartest könntest du versuchen, einen anderen Bus anzuhalten und dich mitnehmen zu lassen (was aber in der Regel bedeutet, dass du keinen Sitzplatz bekommst), 

Genieß es. Eine Fahrt im Nachtbus ist zwar nicht komfortabel  (aber deshalb machst du das ja auch nicht, oder?), aber sie schreibt die besten Reisegeschichten, über die du später bestimmt lachen können wirst. Jetzt, da du schonmal im Bus sitzt, solltest du nicht mehr an den Rucksack oben auf dem Dach denken und dich aufhören zu fragen, ob sie ihn auch richtig befestigt haben (haben sie wahrscheinlich, machen sie ja immer so). Bete für den Fahrer, wenn es dir hilft. Lerne die anderen Reisenden kennen, die Leute hier sind so freundlich (einmal habe ich sogar meine Regel, nichts unbekanntes zu essen, missachtet, weil die Leute in meiner Sitzreihe sich alle ihre Snacks geteilt haben. Großartig!) Ihr sitzt jetzt alle im gleichen Bus und es gibt keinen Grund auszuflippen. Nimm’s leicht, hakuna matata. Erinnere dich, warum du das hier machst, und genieße es.  

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